IHK vergleicht Stromnetzentgelte: Lippische Unternehmen müssen mehr zahlen als 2018

In sechs von sieben lippischen Netzgebieten sind im Jahr 2019 die Stromnetzentgelte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das zeigt ein aktueller Vergleich der Entgelte in Lippe und benachbarten Verteilnetzgebieten. Betrachtet wurden dafür verschiedene Abnahmefälle von Sondervertragskunden auf Niederspannungs- bzw. Mittelspannungsebene.
Günstigster Verteilnetzbetreiber in Lippe auf der Niederspannungsebene, die vor allem für kleinere Gewerbebetriebe relevant ist, sind in diesem Jahr die Blomberger Versorgungsbetriebe - trotz einer Erhöhung um 13,5 Prozent. Im Durchschnitt von drei betrachteten Abnahmefällen zahlen Unternehmen hier 5,87 Cent pro Kilowattstunde (kWh) für den Netzbetrieb, beim teuersten Netzbetreiber sind es 7,60 Cent/kWh.
Auch auf der Mittelspannungsebene sind die Blomberger Versorgungsbetriebe, bezogen auf die vier betrachteten Abnahmefälle mit 3,95 Cent/kWh (minus 15,5 Prozent) am günstigen – dicht gefolgt von den Netzgebieten Detmold und Bad Salzuflen. Beim teuersten Verteilnetzbetreiber kostet die Netznutzung 4,60 Cent/kWh.
Im Vergleich mit den umliegenden Netzgebieten stellen die Stadtwerke Rinteln auf der Niederspannungsebene mit 5,47 Cent/kWh das untere Ende und die Stadtwerke Hameln mit 8,30 Cent/kWh das obere Ende der Preisskala dar. Eine ähnliche Spreizung zeigt sich auch auf der Mittelspannungsebene: Der Stromtransport kostet in Lippstadt nur 2,33 Cent/kWh.
Unternehmen in Lippe müssen mit durchschnittlich 4,24 Cent pro Kilowattstunde auf der Mittelspannungsebene im Schnitt tiefer in die Tasche greifen als Unternehmen im Bund (4,08 Cent/kWh) oder im Land (3,70 Cent/kWh). Auf der Niederspannungsebene zahlen lippische Unternehmen im Durchschnitt mit 6,51 Cent/kWh etwas mehr als im Land (6,24 Cent/kWh), aber weniger als im Bund (7,27 Cent/kWh).
Entgeltentwicklung bei den Übertragungsnetzbetreibern
Die Netzentgelte für Strom beinhalten i.d.R. neben dem Arbeits- und Leistungspreis für die Netznutzung auch Kosten für Messstellenbetrieb, Messung und Abrechnung. Hinzu kommen die vorgelagerten Kosten für das Übertragungsnetz. Die Netzbetreiber Tennet und Amprion, die die Übertragungsnetze in NRW betreiben, haben ihre Netzentgelte gegenüber 2018 leicht gesenkt.
Die Preisschere zwischen Amprion und Tennet geht trotz der schrittweise erfolgenden bundesweiten Angleichung der Entgelte der Übertragungsnetzbetreiber weiter auseinander: Im Netz von Amprion zahlen die Unternehmen im Schnitt 75 Prozent weniger als im Netz von Tennet.
Wer legt die Netzengelte fest?
Die Netznutzungsentgelte können von den Netzbetreibern nicht frei festgelegt werden. Sie werden in einem komplexen Verfahren durch die Bundesnetzagentur genehmigt. Die Höhe der Netzentgelte ist ortsgebunden und hängt von vielen Faktoren wie Anschlussdichte, Erneuerungsbedarf des Stromnetzes, Versorgungsqualität und Effizienz des Netzbetreibers ab.
Basis für den Vergleich
Dem Vergleich der IHK Lippe liegen die Durchschnittswerte für vier Verbrauchsfälle auf Mittelspannungsebene und für drei Abnahmefälle auf Niederspannungsebene zugrunde, die der Verband der Energieabnehmer (VEA) in einer aktuellen Erhebung ermittelt hat. Die einzelnen Verbrauchsfälle unterscheiden sich in der Leistung, Strommenge und Benutzungsstunden. Mittelspannungsnetze werden üblicherweise mit elektrischen Spannungen von 10 bis 30 Kilovolt und Niederspannungsnetze bei 250 bis 1000 Volt betrieben.