Strompreis-Umlagen 2020: Es wird teurer!

Umlagen und Aufschläge minimieren

Für die Nutzung des Stromnetzes werden Netznutzungsentgelte berechnet. Die Einspeisevergütungen für Strom aus Erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sowie die Befreiung einzelner Unternehmen von den Netzentgelten (§ 18 StromNEV), die Haftungsbegrenzung der Netzanbindung von Offshore-Windanlagen und die Vergütung für die Bereitstellung abschaltbare Lasten (§ 18 AbLaV) werden über Aufschläge auf den Strompreis umgelegt.
Unternehmen mit besonders hohen Stromverbräuchen können Ermäßigungen bzw. Befreiungen von diesen Belastungen beantragen.

EEG-Umlage - Besondere Ausgleichsregelung

Die Umlage für Strom nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) wird auf das Netzentgelt aufgeschlagen. Die EEG-Umlage für nicht privilegierte Letztverbraucher beträgt im Jahr 2020
  • 6,756 Cent/kWh (2019: 6,405 Cent/kWh).
Besonders stromintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen können eine Ermäßigung der EEG-Umlage beantragen. Folgende Regelungen gelten aktuell:
Die Paragraphen 64 ff des EEG 2017 (Erneuerbare-Energien-Gesetz vom 21. Juli 2014 (BGBl. I S. 1066), zuletzt geändert am 17. Juli 2017 (BGBl. I S. 2532)) regeln die Rahmenbedingungen für die Ausnahmen von der EEG-Umlage:
  • Antragsberechtigt sind Unternehmen aus den Branchen, die auch von den Umwelt- und Energiebeihilfeleitlinien der Kommission als stromkosten- und handelsintensiv eingestuft werden. Diese Branchen werden in den Listen 1 und 2 der Anlage 4 zum EEG 2017 aufgeführt.
  • Voraussetzung für den Antrag ist ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 oder ein validiertes Umweltmanagementsystem nach EMAS. Wenn das Unternehmen weniger als 5 GWh Strom verbraucht hat, reicht ein alternatives System nach SpaEfV aus.
  • Anteil der Stromkosten an der Bruttowertschöpfung
    - bei Unternehmen aus Branchen der Liste 1 mindestens 17 Prozent
    - bei Unternehmen aus den Branchen der Liste 2 mindestens 20 Prozent 
Höhe der von den privilegierten Unternehmen zu zahlenden EEG-Umlage:  
  • EEG-Umlage in voller Höhe: Stromverbrauch bis 1 GWh
  • 15 Prozent der EEG-Umlage für Verbräuche >1 GWH, aber mindestens 0,1 Cent/kWh.
    Für Strommengen >1 GWh wird die zu zahlende EEG-Umlage in Summe aller begrenzten Abnahmestellen des Unternehmens auf 0,5 Prozent der Bruttowertschöpfung begrenzt, sofern die Stromkostenintensität des Unternehmens mindestens 20 Prozent betragen hat bzw. 4,0 Prozent der Bruttowertschöpfung, sofern die Stromkostenintensität des Unternehmens weniger als 20 Prozent betragen hat. (sogenanntes "Cap" und "Super-Cap" der Umwelt- und Energiebeihilfeleitlinien).
Begrenzungsanträge müssen jeweils bis zum 30. Juni für das Folgejahr gestellt werden. Für den Antrag ist eine Bescheinigung des statistischen Landesamts über die Zuordnung zu den Wirtschaftszweigen erforderlich.
Unternehmen, die 2014 gemäß der früheren Besonderen Ausgleichsregelung privilegiert waren, aber nach der aktuellen Regelung aufgrund nicht gelisteter Branchenzugehörigkeit oder zu geringer Stromkostenintensität nicht mehr antragsberechtigt sind, zahlen auf Antrag für die erste Gigawattstunde die volle EEG-Umlage und darüber hinaus mindestens 20 Prozent der EEG-Umlage. Dazu müssen sie für das jeweilige Antragsjahr nachweisen, dass die Stromkostenintensität im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr mindestens 14 Prozent betragen hat.

KWK-Umlage

Gemäß geltendem KWK-Gesetz ergibt sich für das Verbrauchsjahr 2020 eine KWK-Umlage in Höhe von
  • 0,226 Cent/kWh (2019: 0,280 Cent/kWh) für alle Stromverbräuche, die an Abnahmestellen anfallen, die nicht unter die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) des EEG fallen. Die mögliche Ermäßigung für besonders energieintensive Unternehmen orientiert sich an der BesAR.

Offshore-Netzumlage

Um die Risiken einer verspäteten Netzanbindung von Offshore-Windparks für die Netzbetreiber zu begrenzen, werden die Haftungsrisiken teilweise auf die Verbraucher umgelegt. Die Offshore-Netzumlage wird auf das Netzentgelt aufgeschlagen und beträgt im Strombezugsjahr 2019 und 2020:
  • für den Stromverbrauch nicht privilegierter Unternehmen: 0,416 Cent/kWh (2018: 0,037 Cent/kWh)
Die bisherigen Ermäßigungen für Unternehmen ab einem Verbrauch von 1 GWh bzw. einem Stromkostenanteil von mehr als 4 Prozent am Umsatz entfallen.
Für energieintensive Betriebe, die durch die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) des EEG begünstigt sind, beträgt die Umlage zwischen 0,05 und 0,0832 Cent/kWh.
Der gewaltige Kostenanstieg erklärt sich daraus, dass nun auch die Anbindungskosten von Offshore-Windparks über diese Umlage und nicht mehr über die Übertragungsnetzentgelte gewälzt werden.

§ 19 Umlage - Netznutzungsentgelte

Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von mehr als 10 Gigawattstunden (GWh) und einer Netznutzung von mindestens 7.000 Betriebsstunden an einer Abnahmestelle können deutliche Ermäßigungen der Netznutzungsentgelte beantragen.
Die Einnahmeausfälle werden gestaffelt nach Verbräuchen auf die übrigen Endkunden umgelegt. Die Umlage beträgt im Strombezugsjahr 2019:
  • für den Stromverbrauch bis 1 GWh pro Jahr: 0,358 ct/kWh (2019: 0,305 Cent/kWh)
  • für darüber hinausgehende Strombezüge: 0,050 Cent/kWh
  • Endkunden aus dem produzierenden Gewerbe, deren Stromkosten mehr als 4 Prozent des Umsatzes betragen, können die Umlage auf Antrag beim Netzbetreiber für über 1 GWh hinausgehende Strombezüge auf 0,025 Cent/kWh begrenzen. Der Nachweis erfolgt z.B. über ein Testat eines Wirtschaftsprüfers.

Umlage für abschaltbare Lasten (§ 18 AbLaV)

Um die Netze auch verbrauchsseitig stablisieren zu können, können Unternehmen entsprechend der Verordnung über Vereinbarungen zu abschaltbaren Lasten (AbLaV) den Betreibern von Übertragungsnetzen abschaltbare Lasten zur Verfügung stellen. Dafür erhalten sie eine Vergütung für die Bereitstellung der Abschaltleistung für den vereinbarten Zeitraum (Leistungspreis) sowie für jeden Abruf der Abschaltleistung (Arbeitspreis). Diese Kosten werden auf alle Stromverbraucher umgelegt. Ermäßigungsmöglichkeiten bestehen nicht.
  • Die Umlage beträgt 2019 0,007 ct/kWh (2019: 0,005 ct/kWh).

Umlagen und Ermäßigungen schnell berechnen

Strompreis-Umlagenrechner
Mit dem Strompreis-Umlagen-Rechner der IHK Lippe können Sie die Belastungen durch die Umlagen schnell und einfach berechnen.
Unternehmen des produzierenden Gewerbes können gleichzeitig prüfen, ob sich der Aufwand für einen Antrag auf Ermäßigung z.B. der EEG-Umlage oder der anderen Umlagen auf den Strompreis überhaupt lohnt.