Kein "hitzefrei" für den Dresscode!

An heißen Sommertagen wünscht man sich luftige Kleidung. Doch wie sieht es aus, wenn das sommerliche Outfit nicht zur Arbeit passt? Dies kann zu Ärger mit dem Arbeitgeber führen. Dabei kann, nach einem Urteil des LAG Köln vom 18.08.2010 (Az.: 3 TaBV 15/10), der Arbeitgeber sogar vorschreiben, welche Unterwäsche zu tragen ist.

1. Weisungsrecht und arbeitsrechtliche Entscheidungen (exemplarisch)

Grundlage ist das Weisungsrecht des Arbeitgebers nach § 106 GewO. Danach darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer grundsätzlich anweisen, wie er gekleidet zur Arbeit zu erscheinen hat.
So entschied das LAG Hamm, ( Beschluss vom 22.10.1991, Az. 13 TaBV 36/91), dass der Hersteller von Möbeln des gehobenen Genres den Sachbearbeiter der Exportabteilung dazu verpflichten darf, aufgrund von zu erwartendem überraschenden Kundenbesuch stets Sakko und Krawatte zu tragen.
Eine verhaltensbedingte Kündigung einer in einem Möbelhaus angestellten Mitarbeiterin ist nach Ansicht des ArbG Cottbus ( Urteil v. 20.03.2012, Az. 6 Ca 1554/11) rechtmäßig, wenn sich die Arbeitnehmerin, trotz Abmahnung, beharrlich weigert, die Dienstkleidung zu tragen.
Allerdings ist eine Kündigung wegen Betretung des Firmengebäudes in sommerlichen Shorts unwirksam, wenn der Arbeitnehmer nicht als Mitarbeiter des Unternehmens erkennbar ist (Urteil ArbG Mannheim vom 16.02.01989, Az. 7 Ca 222/88).

2. Einschränkungen

Das Weisungsrecht gilt aber nicht uneingeschränkt. Zum einen ist zwischen den Arbeitnehmerinteressen und den betrieblichen Interessen abzuwägen. Von Bedeutung ist dabei, in welcher Branche der Arbeitnehmer tätig ist und ob Kundenkontakt besteht. Dabei gilt der Grundsatz, je seriöser und konservativer die Branche ist und umso mehr Kundenkontakt besteht, desto stärker überwiegt das betriebliche Interesse.
So hat beispielsweise ein Mitarbeiter einer Bank einen besonders seriösen Eindruck bei Kundengesprächen zu machen und hat sich daher konservativ zu kleiden. Das bedeutet, dass kurze Hosen und luftige Oberteile nicht getragen werden dürfen. Besteht dahingehend kein Kundenkontakt, so kann sich der Arbeitnehmer legerer kleiden, da das betriebliche Interesse gegenüber dem Arbeitnehmerinteresse nur gering ausgeprägt ist.
Auch die Farbwahl der Kleidung ist vom Weisungsrecht erfasst. Ist der Arbeitnehmer in einem konservativen Berufsfeld mit Kundenkontakt tätig, so sind beispielsweise bunt gemusterte Hawaiihemden tabu.
Zum anderen findet das Weisungsrecht seine Schranken im Arbeits- und Tarifvertrag. Darin können Regelungen festgehalten sein, wie sich der Arbeitnehmer zu kleiden hat. Aus dem Umkehrschluss ergibt sich dann, was er nicht anziehen darf. Eine weitere Schranke ist gegebenenfalls das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats.

3. Folgen bei Verstoß gegen das Weisungsrecht

Ein wiederholter Verstoß gegen die Kleiderordnung kann zur Abmahnung, zur Versetzung und letztendlich zur Kündigung des Arbeitnehmers führen.